Mail an Soldatenfamilien-Netzwerk senden

Die Arbeit des SOLDATENFAMILIEN-
NETZWERK
wird unterstützt von

Serco GmbH, Bonn

Warschau
Umzugsbericht Teilumzug nach Polen

Unbenanntes Dokument
Teilumzug nach Warschau

Im Dezember 2006 wurde ich schriftlich davon in Kenntnis gesetzt, dass ich für den Zeitraum 07/07 bis 08/08 nach Warschau kommandiert werde. Dort soll ich den polnischen Lehrgang „Operative Studien und Strategie“ absolvieren. Dieser Lehrgang ist in der Polnischen Ausbildung zeitlich dem Generalstabslehrgang nachgestellt und wird einmal jährlich jeweils von Oktober bis Juli des Folgejahres mit etwa 16 Teilnehmern durchgeführt. Amtssprache ist Polnisch. Die notwendigen Sprachkenntnisse hierfür erlernte ich von April 06 bis Ende Juni 07 im Bundessprachenamt Hürth und seit Juli 07 an der Akademie der polnischen Streitkräfte (AON) in Warschau. Zur Bewältigung der Alltagsprobleme in Polen war es sehr hilfreich, dass meine Frau an der Sprachausbildung in Hürth mit teilnehmen konnte.

 

Die bei der Sprachausbildung in Warschau entstehenden Kosten sind von der Bundeswehr zu tragen. Es ist ratsam, im Vorfelde der Kommandierung sicher zu stellen, dass die notwendigen Gelder bereitstehen. Im Ausbildungsbefehl, der hierfür erstellt wird, ist nachzuweisen, welche Organisationseinheit bis zu welcher Höhe die Kosten übernimmt.

 

Da ein Zeitraum in Warschau unterhalb von zwei Jahren automatisch nur das Recht auf einen Teilumzug begründet, sollte man sich sehr frühzeitig (mind. 6 Monate vor Umzug) erstmalig im BAWV zu einem ersten Beratungsgespräch einfinden. Unsere Erfahrungen, sowohl mit der Abteilung 4 als auch 5 in Bonn, sind hierbei äußerst positiv gewesen. Eine faire Information ohne Verschweigung weiterer Möglichkeiten von Anträgen gab uns das Gefühl, dort gut beraten worden zu sein.

 

Als wesentlich schwerer erweist sich die Suche nach dem  zuständigen Truppenverwaltungsbereich. Zum einen bin ich hier als Lehrgangsteilnehmer an der AON dem DEU MilAtt in Warschau unterstellt (d.h. Botschaft mit entsprechender Zuständigkeit in Bonn), zum anderen bin ich truppendienstlich auch dem Anteil des Korps in Stettin zugeordnet (mit Zuständigkeit der Truppenverwaltung). Allein’ die Feststellung der Zuständigkeit  dieser beiden Institutionen dauerte über 2 Monate. Letztendlich erklärten sich dann beide für zuständig und Stettin forderte Bonn auf, alle Unterlagen zu übermitteln. Dies unterblieb. Somit werden alle unsere Truppenverwaltungsbelange in Bonn bearbeitet. Von Vorteil ist hierbei, dass sich die handelnden Personen in Bonn befinden, wodurch sie für uns vor der Versetzung und später nach der Rückversetzung persönlich ansprechbar sind, während ein Kontakt zu den Entscheidungsträgern in Stettin ausschließlich telefonisch erfolgen könnte. Daher ist es ratsam, bei ähnlich unklarer Zuständigkeit  Bonn den Vorzug zu geben.

 

Anders als bei einem Komplettumzug besteht bei einem Teilumzug kein Recht auf eine Wohnungsbesichtigungsreise. Um sich aber trotzdem vorab von seinem zukünftigen Aufgabengebiet und der Stadt ein Bild zu verschaffen, sollte man sich spätestens 3 Monate vor Kommandierungsbeginn zu einer „Einarbeitung in den zukünftigen Aufgabenbereich“ an die AON in Warschau kommandieren lassen.

 

Es hat sich ebenfalls als zweckmäßig erwiesen, ca. 8 Wochen vor Kommandierungsbeginn den zuständigen WBV zu kontaktieren. Grundsätzlich geht zwar auch ein Verteiler der Kommandierung dorthin, in meinem Falle aber lag er  dem entsprechenden Bearbeiter nicht vor. Und es stört ja doch schon, wenn die sehnsüchtig erwartete Auslandsbesoldung nicht  oder erst sehr verspätet eintrifft.

 

Bei einem Teilumzug darf das Umzugsgut ein Gewicht von 200 kg/Pers nicht übersteigen. Bei meiner vierköpfigen Familie waren das  also 800 kg. Ein solcher Teilumzug ist stressiger als ein Komplettumzug, bei dem ja alles mitgeht. Jede Schublade musste einzelnd geöffnet werden. Immer wieder war nach „geht mit“/ „bleibt hier“ zu entscheiden. Insgesamt verlief der Umzug aber  unproblematisch. Wie immer, weiß man erst nach erfolgtem Umzug, was eigentlich mitgemusst hätte und was man nun vor Ort doppelt hat. Zweckmäßig ist es daher, frühzeitig  einen Rückflug für Frau und Kinder in die Heimat zu buchen, bei dem sie im Rahmen des Freigepäcks Gerät rückführen und Benötigtes  mitnehmen konnten. Grundsätzlich gilt aber an dieser Stelle festzustellen, dass Warschau durchaus nicht die graue, postkommunistische Stadt ist, die manch einer erwartet. Warschau ist eine Zweimillionenmetropole mit marktwirtschaftlich ausgerichteten, guten Einkaufsmöglichkeiten.

 

Da wir mit zwei schulpflichtigen Kindern (12 und 14 Jahre) umgezogen sind, war die Nähe zur Schule ausschlaggebend für die Wohnungswahl. Die einzige Schule, die hierfür in Betracht kommt, ist die Willy-Brandt-Schule im Stadtteil Wilanów (http://www.wbs.pl/page.php?[de]3). Kleine Klassen und engagiertes Lehrpersonal, sowie eine Vielzahl von Möglichkeiten, an AGs teilzunehmen, sorgen für ein gutes Lernklima. Berücksichtigt man die in Warschau vorherrschenden Verkehrsbedingungen,  sollte eine fußläufige Entfernung zur Schule das Ziel sein.

 

Wohnraum ist zumindest derzeit ausreichend vorhanden. Und wenn man sich nicht für einen Makler aus der Botschaftsliste entscheidet, dann schafft man es auch ohne Schwierigkeiten, weit unter der persönlich errechneten Mietobergrenze zu bleiben. Grundsätzlich fühlt sich die Botschaft für einen nicht verantwortlich. Und das stimmt auch in sofern, als dass man als Lehrgangsteilnehmer an der AON nicht Botschaftsangehöriger ist. Trotzdem ist die Wohnung durch die Botschaft auf „Angemessenheit“ und „Sicherheit“ in Augenschein zu nehmen. Über die hierfür notwendige Unterschrift muss man verfügen, bevor der entsprechende Mietvertrag unterschrieben wird. Sie ist schon deshalb unerlässlich, weil sonst keine Mietbeihilfe für die recht teuren Wohnungen in Warschau gezahlt wird.

 

Um die Verbindung mit dem Heimatland zu halten, sollte man wissen, dass Telefongespräche in Polen – im Vergleich zu Deutschland – teuer sind, telefonieren ins Ausland ist sogar erheblich teurer. Die eigenen Mobiltelefone sollte man trotzdem als Back-up mitführen. Zweckmäßig ist es, sich vor Ort Pre-Paid-Karten zu kaufen (z.B. die sog. „Tak-Tak-Karte“ von ERA, 50 PLN pro Vierteljahr min).

Man sollte ebenfalls bei der Wohnungssuche Wert auf einen Internetanschluss von mindestens 1,3 besser noch 2 MBit/sek (bei Nutzung von Bildtelefon) legen. Telefon- und Internetanschlüsse sind in Warschau ausschließlich Vermietersache. Alles dauert lange. Wenn man also frühzeitig äußert, was man benötigt, wird man zeitnah zum Umzug entsprechendes vorfinden.

 

In diesem Zusammenhang kann ich nur jedem Kameraden in ähnlicher Lage raten, sich frühzeitig bei Skype zu registrieren. Unter der folgenden Adresse http://www.skype.com/intl/de/download/skype/windows/downloading.html wird ein kostenfreier Download zum Telefonieren übers Internet bereitgestellt. Man benötigt nur noch ein Headset. Hierdurch zahlt man dann zu anderen Skype-Kunden gar nichts, ins Deutsche Festnetz 0,017 €/min und zu DEU Mobiltelefonen 0,20 €/min.

Es gibt auch noch sog. Billigvorwahlen aus Polen, bei denen zahlt man derzeit aber immer noch weit mehr als das 10fache der entsprechenden Preise aus Deutschland.

 

Als besonders spannend erweist sich hier das Verfahren der Anmeldung und Registrierung in Warschau. Zunächst muss man zusammen mit seinem Vermieter und den Ausweisen der ges. Familie ins Stadtteilbüro. Dort bekommt man recht unkompliziert eine Aufenthaltsgenehmigung für die nächsten 3 Monate.

 

Als nächstes muss man dann auf das Einwohnermeldeamt (ul. Dluga 5) in der Innenstadt. Hier sollte man vermeiden zur Öffnungszeit zu erscheinen. Die Szenen, die sich dort morgens abspielen, sind nur noch durch die Erstürmung der Rathäuser an Weiberfastnacht zu übertreffen. Hat man dann seine Nummer gezogen, sollte man nicht warten, bis diese aufleuchtet, denn häufig wird das Weiterschalten durch die örtlichen Bediensteten vergessen. Man sollte also – äußerst höflich, denn hierauf wird in  Polen noch mehr Wert als in Deutschland gelegt – nachfragen, ob man schon an der Reihe sei. Mit viel Glück (das ich allerdings nie hatte) gerät man an einen englischsprachigen Beamten. Neben 6-seitigen Anmeldeunterlagen erhält man auch eine Ausfüllanleitung – auf Polnisch – sowie einen deutschsprachigen Hinweis, welche Strafen bei Nichtbeachtung folgen können. Des Weiteren erfragt man vor Ort, welche Unterlagen wie oft zu kopieren und in welcher Form sie bei Abgabe der ausgefüllten Anträge beizulegen sind.

 

Bezüglich meines Antrages (4-fach) war das eine Kopie des Reisepasses (4-fach), eine Bestätigung, wann ich über die Grenze nach Polen eingereist bin (einfach), eine Kopie der Meldebestätigung vom Stadtteilbüro (einfach) sowie eine Kopie des Einladungsschreibens des Polnischen Verteidigungsministeriums (habe ich über den MilAtt-Bereich in Warschau erhalten, 4-fach). Wichtig war hierbei die Übernahme von Kosten im Krankheitsfalle durch die polnische SK.

 

Zu den Anträgen meiner Frau und meiner Söhne (ebenfalls jeweils 4-fach) mussten zusätzlich zu den  Kopien der Reisepässe (4-fach), der Bestätigungen des Grenzübertrittes (einfach), der Kopien der Meldebestätigungen vom Stadtteilbüro (einfach) noch folgende Unterlagen mit amtlichen Übersetzungen auf Polnisch beigefügt werden: Geburtsurkunden, Nachweis der Eheschließung und Versicherungsnachweis. Die Erfüllung solch’ staatlicher Ansprüche für uns alle eine Herausforderung! Die Übersetzungen erledigte der Sprachendienst der Botschaft. Hierbei war noch wichtiger als die Unterschrift des MilAtt, ein dickes, fettes Dienstsiegel, das einem hier immer weiter hilft. Ein Nachweis der Versicherung lief dann ebenfalls über die Botschaft, ein neu erstellter „Vordruck“ ist dort für Nachfolger unter meinem Nahmen gespeichert.

 

Hat man dann endlich alle Unterlagen vorgelegt, bekommt man 4 bis 5 Seiten pro Person als Nachweis dafür, dass man die Unterlagen abgegeben hat. Auf einer dieser Seiten ist dann ein Datum zu finden, zu dem man sich erneut auf dem Amt einzufinden hat. Des Weiteren erhält man einen Überweisungsvordruck. Nun muss man pro Person 1 PLN  an das Einwohnermeldeamt überweisen (Überweisungsgebühren auf der Post 2,50 PLN). Die Möglichkeit einer Barzahlung ist aus Gründen der Korruptionsbekämpfung abgeschafft worden.

Mit dem Überweisungsnachweis erscheint man dann nach ca. 14 Tagen zu besagtem Termin erneut auf dem Amt und erhält seine Registrierungskarte.

 

Mit dieser Karte, einem zusätzlich auszufüllenden Antrag für jede Person und den Vermieter, meldet man sich dann erneut im Stadtteilbüro. Hier wird dann die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung erteilt. So umständlich sich das alles anhört, es funktioniert!  Ich denke, dass es auch in Deutschland derzeit nicht besonders einfach ist, eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten.

 

Ach ja, für Botschaftsangehörige wird diese gesamte Anmeldeprozedur vom Auswärtigen Amt übernommen. So wissen die Diplomaten gar nicht, um welche interessanten Lebenserfahrungen sie sich bringen.

 

Zweckmäßig ist die Einrichtung eines Kontos bei einem polnischen Geldinstitut. Hier kann man vom deutschen Konto Geld anweisen, zahlt dann je Überweisung und Währungsänderung zwar Gebühren, die aber weitaus kostengünstiger sind als der fortwährende Auslandseinsatz der EC- bzw. Kreditkarte.  Des Weiteren sind mittlerweile viele Rechnungen per Überweisung zu begleichen. Auch hierfür ist ein polnisches Inlandskonto hilfreich.

 

Bei Anmietung eines Hauses / einer Wohnung sollte darauf geachtet werden, dass ein Wasserfilter vorhanden und im Mietpreis eingeschlossen. ist. Spätere Nachrüstungen gehen sonst zu eigenen Kosten. Bedauerlicherweise  ist das Leitungswasser in Warschau nicht trinkbar. Allenfalls zum Zähneputzen langt es, vom Trinken wird aber allgemein abgeraten.

 

Sollte ein Wasserfilter nicht vorhanden sein, so gibt es auch eine Vielzahl von Firmen (z.B. Eden Springs Water) die kostengünstig Wasserspender vermieten und den Trinkwasserbestand monatlich auffüllen.

 

Zum Schluss noch ein Hinweis auf den Verbindungsoffizier an der AON. Eine frühzeitige Kontaktaufnahme hilft, so manche Klippe frühzeitig zu umschiffen. Dem Verbindungsoffizier ist es Kraft seines Amtes leichter, Probleme vor Ort zu lösen.

 

Insgesamt habe ich mich mit meiner Familie nach 7 Wochen hier in Polen schon sehr gut eingelebt. Keinen Tag haben wir es bisher bereut, diesen Schritt gewagt zu haben. Warschau ist eine sehenswerte, kulturell sehr aktive Stadt. Egal wo, man begegnet uns ohne Vorurteile, ist freundlich und stets hilfsbereit und korrekt. Auch die Sorgen, die sich manche Kameraden um unsere Autos gemacht haben, sind (bisher jedenfalls!) unbegründet. Man sollte allerdings, wie in jeder anderen Großstadt auch, ein gewisses Maß an Sorgfalt und Vorsicht walten lassen.

 

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

 

FamFries@web.de

 

Warschau im August 2007