Bericht einer Soldatenfamilie über ihre Erfahrungen in BELGIEN
SHAPE
Also möchte ich versuchen,
das Lebensgefühl zu vermitteln – ganz subjektiv natürlich...
Wie ist es, in Belgien zu leben...
es ist zwar ein Nachbarland von Deutschland und Aachen ist von uns „nur“ zwei
Stunden entfernt, aber es ist schon „richtig Ausland“! Doch was das Leben hier
so besonders macht ist, dass man auf (mindestens) drei Kulturen gleichzeitig
stößt:
Da ist zum einen die deutsche
Gemeinde mit regen Treffen und Gruppen für fast jeden Geschmack, dann gibt es
die internationale „community“ – das Leben „auf“
SHAPE. Inzwischen wird das Miteinander von den Besonderheiten von ungefähr 40
Nationen bereichert (neben den Mitgliedstaaten der Nato gibt hier z.B. auch
Schweizer, Österreicher... und sogar Russen [PfP – Partnership for Peace macht’s möglich...]). Interessant ist es, immer
wieder neue Erfahrungen und Eindrücke zu gewinnen, wenn man bei einem
Zusammentreffen von fünf Leuten plötzlich mit fünf verschiedenen Traditionen
konfrontiert wird – so kann man ganz nebenbei beim Plausch an der Kasse
erfahren, wie in Griechenland Weihnachten gefeiert wird, und sich beim Abholen
der Kinder vom Kindergarten informieren, wann die Briten ihr nächstes
Nationales Fest feiern (bei denen jeder herzlich eingeladen ist mitzufeiern –
so viele „Nationale Feiertage“ wie hier findet man wohl kaum anderswo...).
Geprägt wird es aber ganz eindeutig von der stärksten Gruppe, den Amerikanern.
Ihr „american way of life“ spiegelt sich vom Fast Food-Angebot bis zum regen sportlichen Vereinsleben in
allen Facetten.
Sowohl die deutsche
Gemeinschaft als auch weiter gefasste internationale community
haben ein wenig „Dorfcharakter“, man kennt sich recht schnell, aber es ist eben
keine eingeschworene Gemeinde, die Fremden gegenüber zurückhaltend ist, sondern
es ist lebendig durch den stetigen Wechsel. Die kleinen Nachteile von Klatsch
und Tratsch werden aufgewogen von den
Vorteilen der schnellen Mundpropaganda, was wo stattfindet und wer bei welchem
Problem weiterhelfen kann Es gibt aber auch zwei „Zeitungen“, die über die
aktuellen Geschehnisse auf dem Laufenden halten, einmal international und
einmal speziell auf die Deutschen zugeschnitten. Die Kontakte sind schneller
geknüpft, man wird nicht erst lang „beschnuppert“, sondern gleich zum Kaffee
eingeladen, andererseits ist es dadurch teilweise auch etwas oberflächlicher,
nicht jedes „wir sollten unbedingt mal zusammen bummeln gehen“, endet auch wirklich
in einem Anruf. Man kann sich vielfältig einbringen und so schnell Kontakte
knüpfen – man muss es aber nicht. Es gibt Leute, die in x Gruppen aktiv sind
und andere, die lieber jedes Wochenende zurück nach Deutschland fahren.
Wohnt man auf SHAPE (was allerdings
mit etwas Geduld verbunden ist, bis ein Haus zugeteilt werden kann), genießt
man die Nähe zu Kaserne, Schule, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten,
Freizeitaktivitäten, Arzt – es ist praktisch dort ein autarkes Leben möglich.
Wenn man es vorzieht, außerhalb
von SHAPE „sesshaft“ zu werden – oder auch nur einfach mal „draußen“ einkaufen
geht – wird man automatisch auch mit der Gastnation Belgien konfrontiert.
Französische Grundkenntnisse erleichtern das Leben und Miteinander, das
Lebensgefühl ist französisch geprägt, man hat mehr Zeit, nicht die deutsche
Hektik... Wenn man sich nur ein bisschen bemüht und anzupassen versucht, sind
sie alle sehr freundlich und hilfsbereit (ob man sich mit den Nachbarn über die
Mülltrennung unterhält oder fürs Auto neue Reifen fällig sind), die Deutschen
sind prinzipiell gern gesehen. Bei der Quartiersuche darf man nicht nach
deutschen DIN-Normen oder deutschen Standards in der Isolierung fragen, dafür
haben die Häuser Charme – und es handelt sich überwiegend um einzeln stehende
Einfamilienhäusern mit Gärten. Dank Mietzuschuss sind die Kosten auch nicht
höher als in einem deutschen Reihenhäuschen in einer Vorortsiedlung, man sollte
sich nur genau überlegen, welche Entfernungen man individuell noch zu pendeln
bereit ist – und damit ist nicht nur der Dienst- oder Schulweg gemeint, da sich
viel auf SHAPE abspielt (nicht zu vergessen die überwiegenden
Freizeitaktivitäten von Vater, Mutter und Kindern).
Man kann sich hier rundum
wohl fühlen – erleichtert wird es auf jeden Fall, wenn auch bei den
Familienangehörigen englische und/oder französische Grundkenntnisse vorhanden
sind – also, nix wie hin zur Volkshochschule und dann auf ein baldiges Treffen
auf SHAPE J
Eure Tigger
Fragen bitte an den Webmaster senden und
ich leite sie dann weiter.
Mir liegt die umfangreiche Broschüre:
„Informationen für Auslandsumzüge“ vor.
Wer dazu Fragen hat, nur zu……
Herzliche
Grüße
Barbara Treder