Man merkt, dass man schon zu lange in
Norwegen lebt, wenn:
·
Man zu der
Überzeugung kommt, dass ohne den Einsatz der Norweger die Welt wahrscheinlich
in Kürze dem Untergang geweiht sein würde.
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Man an einer Bar
nur sein eigenes Bier bestellt, auch wenn man in einer Gruppe von Leuten
unterwegs ist.
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Man nicht
überrascht ist, wenn die Person, die direkt vor einem geht, einem die Tür nicht
aufhält.
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Man von einem
Fremden auf der Straße angelächelt wird, annimmt, dass:
a. Er betrunken ist.
b. Er verrückt ist.
c. Er Amerikaner ist.
d. Alle diese Punkte auf ihn zutreffen.
·
Man denkt, es gibt
kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.
·
Es normal ist, um
11 Uhr das Mittagessen und um 15 Uhr das Abendessen einzunehmen.
·
Man Fisch auf fünf
verschiedene Arten zubereiten kann, ohne dass er gekocht wird.
·
Man seine gesamte
Freizeit unter freiem Himmel verbringt – das Wetter spielt dabei keine Rolle.
·
Man bei Treffen
mit Freunden auf schicke Kleidung achtet, aber bei der Arbeit zieht man sich leger an
…..
(Ausschnitt aus
der offiziellen Informationsbroschüre „Leben und Arbeiten in Norwegen“ des
norwegischen Arbeitsamtes „NAV“, www.norwegen.no)
Wir können für uns behaupten, dass alle
Punkte schon nach 1,5 Jahren zutreffen.
Seit dem Winter 2008 leben wir auf dem
58° Breitengrad Nord in Stavanger.
Um gleich einige Vorurteile
auszuräumen:
Es gibt hier auch im Winter Tageslicht,
dafür selten Schnee. Elche, Rentiere und Eisbären gehören nicht zu unseren
Nachbarn. Der Grund hierfür ist, dass wir zwar in Skandinavien leben, aber es
immer noch 2400 km bis zum Nordkap sind.
Wir könnten über das Leben hier bestimmt
schon ein Buch schreiben, dennoch werden wir versuchen uns auf einige
Themengebiete zu beschränken.
Wohnen:
Der Wohnungsmarkt in der Region
Stavanger ist durch die ansässige internationale Ölindustrie sehr hochpreisig und lukrative
Angebote sind umkämpft. Hinzu kommt, dass ein Norweger 70 qm pro Person veranschlagt.
Somit ist ein 80 qm Wohnung so geschnitten das max 2 Personen (kein
Kinderzimmer) darin wohnen können. Geheizt wird zumeist mit Strom und Holz
(Ofen). Da Norwegen seine Enegerie zu fast 100 % selber durch Wasserkraftwerke
produziert, gilt folgende Faustregel: Viel Regen = günstiger Strom, wenig Regen
= teuerer Strom.
Lebenshaltungskosten:
Die Qualtiät der norwegischen Produkte
ist sehr hochwertig, dafür kann die Auswahl/Vielfalt schon mal etwas eingeschränkt
sein. Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland teilweise sehr viel Höher.
Wir haben relativ schnell aufgehört die norwegischen Preise in Euro umzurechnen,
sonst könnte es sein das ein Rindergulasch für 4 Personen im Wert von fast 100
Euro für das Fleisch nicht mehr ganz so gut schmeckt. Dennoch muß dank der
Auslandsdienstbezüge niemand am Hungertuch nagen.
Auto/Verkehr:
In Stavanger gibt es nur ca. 3-5 Ampeln, aber dafür an die 250
Kreisverkehre. Im norwegischen gab es bis vor ein paar Jahren kein Wort für
„Stau“, heute hat man das Wort „bilkø“ – „Autoschlange“ gebildet, in dem man
die beiden Worte für „Auto“ und „Schlange/Reihe“ einfach verbunden hat. Für Rheinländer
(A1/A3/A4/A59/A565) geht eine „bilkø“ maximal als zähfiessener Verkehr durch. Allerdings
soll es im Raum Oslo morgens sogar „richtige“ Staus geben. Autobahnen im Sinne
der in Deutschland bekannten Schnellstrassen findet man in Norwegen lediglich
rund um Oslo und für einige Kilometer in der Region Stavanger. Ansosnten
handelt es sich bei den „Riksveien“ (Rv) nach deutschen Maßstäben um einfache
Bundes- oder Landstrassen. Einige Strassen in Norwegen sind „abgabepflichtig“.
An einer „bomstation“ muss entweder passend in bar oder mittels eines
automatischen Senders bezahlt werden. Der Sender ist an jeder Esso Station erhältlich
und wird an der Windschutzscheibe angebracht. Er benötigt keine besondere
Pflege – bis auf ein gefülltes Guthabenkonto. Zebrasteifen kommen in Norwegen
einem roten Teppich nahe. Sobald ein Fußgänger oder Radfahrer sich auch nur in
die Nähe eines solchen begibt, bleibt der norwegische Automobilist stehen.
Um in Norwegen berühmt zu werden, muss man entweder über die 0,2 Promillegrenzen
kommen oder zu schnell fahren. Beides führt auf jeden Fall zu einer sehr hohen
Geldstrafe (ab 300 Euro aufwärts), kann im Einzelfall aber auch zu einer
namentlichen Erwähnung in der Zeitung sowie im Extremfall zu einem
unfreiwilligen 30-tägigem kostenlosen Aufenthalt in einem „staatlichen Hotel“
in Oslo mit all-inclusive Paket führen.
Schulen:
Da wir ohne Nachwuchs hier leben, können wir zu diesem Thema nicht
besonders viel beitragen. Es gibt eine internationale Schule, einen britische
Schule und einen internationalen Kindergarten, aber keine deutsche Schule. Auch
die norwegischen Schulen können genutzt werden. Dabei sollte stets darauf
geachtet werden, welche Fächerkombinationen zur Anerkennung in Deutschland nach
der Rückkehr notwendig sind. Hierzu sollten bereits im Vorfeld des
Auslandasaufenthaltes Informationen gesammelt werden.
Sprache:
Die norwegische Sprache zu lernen
öffnet einem auf jeden Fall Türen, Tore und Wege, die sonst verschlossen
bleiben würden. Norwegisch ist eine romanische Sprache und hat Einflüsse aus englischen,
holländischen und norddeutschen Dilalekten. Die Sprache ist für Deutsche
Muttersprachler relativ einfach zu lernen, da zum Beispiel Verben nicht
konjugiert werden müssen. Ein Verständnissproblem taucht aber durch die unzähligen
norwegischen Dialekte auf. Hier verhält es sich fast so wie Deutschland, wo
unter Umständen der Hamburger den Bayern nicht versteht.
Grundsätzlich kann man aber allein mit
Englisch gut überleben. Vor allem ältere Norweger verstehen sehr oft auch
deutsch, da dies eine zeitlang die einzige zweite Fremdsprache an norwegischen
Schulen war.
Angeln/Hytten/Natur:
Hier kommen wir zu den unschlagbaren
Vorteilen. Stavanger hat von Stränden bis zu Skifahren alles zu bieten, was das
Sportler bzw. Freizeitherz begehrt. An der Küste gibt es kilometerlange feine Sandstrände
mit Dünen, die im Sommer auf jeden Fall zum sonnenbaden einladen oder im Herbst
zu einem Spaziergang. Die Wassertemperatur ist erfrischend „nordseehaft“. Im
Winter sind es bis ins nächste Skigebiet (Langlauf, Abfahrt, Schlittenhunde
fahren) mit dem Auto 1 – 1,5 Stunden. Hier hat das norwegische Militär auch Hütten,
die man sehr günstig mieten kann. Auf bzw. in den Fjorden kann man Surfen, Kanu
fahren, Segeln und sogar Tauchen.
Für Angler gibt es unzählige Möglichkeiten
(Salz und Süßwasser) das Abendessen selbst zu fangen. Auch Golf ist ein beliebter
Sport in Norwegen. Wer es lieber mit dem Fußball, Handball oder Eishockey hält,
kommt aber auch nicht zu kurz.
Die Norweger sind ganzjährig mit dem
Fahrrad unterwegs. Der Weg von und zur Arbeit wird dadurch gleich zum täglichen
Workout. Wetter spielt hierbei kaum eine Rolle. Wie gesagt, es gibt nur falsche
Kleidung.
Zoll:
Norwegen liegt zwar auf dem
europäischen Kontinent und hat auch das Schengen-Abkommen unterzeichnet, es
gehört aber nicht zur EU.
Dies hat zur Folge, dass man
automatisch einen etwas engeren Kontakt zum norwegischen Zoll („Toll“)
aufnehmen muss. So muss zum Beispiel das Umzugsgut, Autos, Boote ect erst
einmal zollfrei gestellt werden. Dies gilt auch für alle (Wert-) Lieferungen
mit der Post (Obergrenze beachten!) gesendet werden.
Ärzte:
Über dieses Thema gibt es sehr geteilte
Meinungen. In der Umgebung von Stavanger
gibt es einen deutschsprachigen Hausarzt, am Abend/in der Nacht lokale
Notfallarztpraxen („Legevakt“) und ein Krankenhaus. Zusätzlich gibt es eine
wachsende Anzahl von privaten „Kliniken“. Bei diesen handelt es sich meistens
um Praxen von Allgemeinmedizinern. Der Hausarzt ist nach dem Gesetz gleichzeitig
der Kinderarzt, Frauenarzt, Orthopäde, ect.
Im Bedarfsfall sind folgende Regeln
sind zu beachten: Ohne eine Überweisung bekommt man keinen Termin bei einem
Spezialarzt. Ins Krankenhaus kommt man nur mit dem Krankenwagen oder mit einer
Überweisung. Es gibt mehrere deutschsprachige Zahnärzte. Die Anzahl und Vielfalt
an Spezialärzten ist nicht mit Deutschland vergleichbar, somit kommt es
regelmäßig zu langen Wartezeiten.
Nicht alle in Deutschland gängigen Medikamente
sind auch in Norwegen erhältlich. Bei Dauermedikamentaion ist daher eine
vorherige Prüfung in Absprache mit dem Deutschen Hausarzt/Truppenarzt/Leitenden
Sanitätsoffizier beim SKA sehr sinnvoll.
Zum Abschluß:
Wir haben bis jetzt keinen Tag bereut
und können Norwegen nur weiterempfehlen. Die Erfahrungen die wir hier gemacht und
die Freundschaften welche wir geschlossen haben sind unbezahlbar.
Für weitere Fragen stehen wir gerne zur
Verfügung. Bitte wenden Sie sich an das Soldatenfamilien-Netzwerk.