„Könntest Du dir vorstellen, wenn wir alle nach
Spanien ziehen würden?“ fragte mein Mann - Stille - Meine Gedanken fingen an zu
rasen, - will ich das wirklich, schon wieder umziehen ...nach nicht einmal 2
Jahren... - schließlich ziehen wir ja nicht als Ehepaar um, sondern als
Großfamilie. Wir setzten uns zusammen und diskutierten, die Für und Wider des neuen Standortes. Wir beschlossen es zu wagen. Die
Kinder waren von Anfang an eingeweiht und entsprechend neugierig und aufgeregt.
Die Verwandtschaft nahm es recht gelassen, man kannte
es ja bisher nicht anders.
Mein Mann zog alle nötigen Erkundigungen über den
neuen Standort ein. Die Versetzungsverfügung traf ein... Mein Mann kümmerte
sich um die Anträge und nun ging es mit Hochdruck an die Planung der
Wohnungsbesichtigungsreise. Wir planten die Wohnungsbesichtigungsreise für
Anfang Juni´05. Netterweise bekamen wir eine Hotelübersicht vom NSE geschickt.
Ein Hotel – nein, da wollten wir uns nicht einquartieren. In „Leerlauf“-Zeiten mit 4 Kindern im Hotel festzusitzen bzw.
mit ihnen durch die Strassen einer noch unbekannten Großstadt zu laufen? Nein
danke! Wir betrieben ein wenig Internetrecherche und siehe da, es gab (ganz in
der Nähe des HQ) einen Campingplatz, der u.a. auch Blockhütten und Mobilheime
vermietet. Hurra!
Mit dem Vermittlungsbüro (Mittler zwischen Makler
und Kunden) nahmen wir per E-Mail Kontakt auf und teilten unsere Wünsche mit.
Ob es ein EFH, RH oder eine Wohnung sein sollte, darauf wollten wir uns im Vorfeld
noch nicht festlegen, wichtig war uns, dass wir an der Schulbusroute etwas
finden würden (das dieser Weg dann nicht zu lang wäre). Eine Anbindung an öffentl. Verkehrsmittel fänden wir auch nicht
verachtenswert. Dass es groß genug für uns wäre und natürlich sollte es
letztendlich auch gefallen.
Wir verabredeten Termine mit der Deutschen Schule
und dem Kindergarten der Deutschen Schule. Alle Termine wurden in dem
Besichtigungsplan integriert.
Das letzte, was wir planten, war unsere Fahrtroute
nach Madrid. Wir planten mit dem eigenen Fahrzeug nach Madrid zu fahren. So war
das Fahrzeug, das wir vor Ort nutzen konnten groß genug, dass alle mitkonnten,
mit Klimaanlage versehen (nicht zu verachten, wenn man die Temperaturen nicht
gewohnt ist) und man musste keinerlei Kompromisse eingehen bei der Frage „Was
nehmen wir an Klamotten und Spielzeug mit... ?“. So starteten
wir Samstag, den 04.06.2005 Richtung Madrid und kamen nach einer Übernachtung
und vielen Pausen Sonntag, den 05.06. in unserem Quartier an.
Wir haben viele schöne und auch weniger schöne
Immobilien angeschaut. Die Objekte könnte man in die Kategorien „gross, grösser, am grössten“ einteilen. Entschieden haben wir uns für eine
Wohnung in einem 20 Parteien Haus (mein Mann behauptet immer i c h
hätte entschieden). Zu dem Haus gehören ein Outdoorpool,
ein Squashcourt, ein Spielplatz und ein Fußballplatz
(betoniert) und eine Gartenanlage. Es ist eine in sich geschlossene Anlage. Es
ist rund um die Uhr ein Portier anwesend. Wir haben es bislang nicht bereut!
Die Gespräche in Schule und Kindergarten waren sehr
positiv und den Kindern war eine grosse Last
genommen, sie hatten nun konkrete Vorstellungen, wo es hingehen würde. Unserem
Ältesten wurde sogar noch ermöglicht probehalber am Unterricht teilzunehmen ( Schnuppertag nennt man das wohl...), nach diesem Tag war
er vollkommen entspannt. – welch ein Erfolg –
Zurück in unserem bisherigen Zuhause war der einzige
Wehrmutstropfen, dass wir für unsere Jüngste keinen Kindergartenplatz gefunden
hatten.
Nun konnten wir das Umzugsunternehmen (sie kannten uns als Kunden und hatten uns schon
einige Male sicher und zu aller Zufriedenheit umgezogen) über alles Weitere
informieren und hoffen, dass unser Wunschtermin realisierbar wäre. War er, es
klappte wirklich alles wie am Schnürchen.
Nun galt es noch unseren Tierarzt zu kontaktieren,
damit die (zu der Zeit neuen) EU-Pässe ausgestellt wurden. Ansonsten gab es
keine Besonderheiten, da wir die Katzen regelmässig
impfen lassen und die letzte Impfung erst 3 Monate zurücklag. Der verlangte Microchip war auch bei allen Tieren vorhanden.
Für den Transport der Tiere erfragten wir uns bei
unserer Spedition wieder die extra grossen
Transportboxen (ursprünglich eher für Hunde gedacht) aber für die lange Reise
sollten die Viecher die Möglichkeit haben sich zwischendurch erheben und ein
wenig bewegen zu können.
Dann kam auch schon bald die Zeit der diversen
Abschiedsfeiern...
Als Erstes starteten die Kinder und ich per Flugzeug
zur Umzugsreise, für den Zeitraum von einer Woche hatten wir uns wieder auf dem
Campingplatz eingemietet, zur Freude der Kinder, denn mittlerweile hatte dort
auch der Pool geöffnet.
Wir konnten unsere Wohnungsschlüssel in Empfang
nehmen, die Katzen, die mein Mann nach Madrid chauffiert hatte durften die noch
leerstehende Wohnung erkunden. Das ganze Gepäck der Tiere wurde ausgeladen (...
ist nicht wenig bei damals noch 3 Katzen). Futter hatte ich für 14 Tage
eingepackt, für den Fall, dass etwas mit der LKW-Ladung passieren würde. Mein
Mann flog zurück, um den Umzug zu ‚überwachen’ und letzte Renovierungsarbeiten
auszuführen. Nachdem die fleissigen ‚Heinzelmännchen’
alles gepackt und verstaut hatten (in 2 Tagen), ging das Umzugsgut auf Tour...
Mein Mann erledigte die Schlüsselübergabe und letzte Dinge auf dem Stützpunkt.
Nach einem letzten Kaffee setzte er sich in unseren Zweitwagen, um diesen
selber nach Madrid zu überführen, war günstiger als es durch die Spedition
durchführen zu lassen. Nun waren alle auf dem Weg – Möbel, Mann und
‚Heinzelmännchen’ und wir konnten nur warten. Nach einer Reifenpanne und einem
riesigen Stau an der franz./span. Grenze kamen alle
im Laufe des Freitagabends (29.07.05) hier an.
Wir hatten im Vorfeld abgeklärt, wo der Laster
zwecks Entladung stehen dürfe.
Und dann ging es gleich zur Sache, ein Teil der
Kartons wurde noch am gleichen Abend entladen. Zum Arbeitsbeginn hatten wir uns
für 9 Uhr am nächsten Morgen verabredet Als wir ankamen, waren die
‚Heinzelmännchen’ schon da und einsatzbereit. Für allgemeine Erheiterung sorgte
ein span. Umzugsunternehmen, dass
einige Dinge an einen Nachbarn liefern sollte. Deren 8-köpfige Crew stand sich
mehr im Weg, als dass es voran ging. Die Herren staunten nicht schlecht, als
sie sahen wie ruck zuck der Laster von unseren ‚Heinzelmännchen’ leergeräumt wurde
(ohne, dass irgendwas herunterfiel oder gar zu Bruch ging!). Vielleicht lag es
auch daran, dass zur Zeit der Lieferung gerade Siestazeit war und dass darum
der Karton herunterfiel, in dem es hinterher vernehmlich klirrte und schepperte.
Sonntag Mittag (31.07.05) waren die Möbel
am Platz, die Schränke eingeräumt, die Leuchten aufgehängt und angeschlossen;
man saß bei einem letzten Snack zusammen. Wir genossen unseren ersten
Familiennachmittag am Pool.
Anfang September begann der „Ernst des Lebens“, unser
Ältester startete an der neuen Schule und zwei Tage später wurde unser
zweitältester Sohn eingeschult. Unser jüngster Sohn begann im Kindergarten der
Deutschen Schule und für unsere Kleinste, unsere Tochter fand sich ein
Kindergartenplatz. Das ließ sich erst jetzt organisieren, da alle in Frage kommenden
(deutschen) Kindergärten vorher wegen Sommerurlaubs geschlossen hatten.
Alle vier Kinder fahren nun immer mit dem Schulbus.
Die Schulkinder steigen an der Schule aus und die Kindergartenkinder werden in die
jeweiligen Kindergärten hineinbegleitet. Ich bin unglaublich stolz auf meine
Kinder, wenn ich sehe, wie sie ihrer Wege gehen und was sie alles gelernt
haben. Man traut ihnen oft einfach zu wenig zu!
Ein wenig Bammel hatten wir auch wegen der Schule.
Sicher es ist eine deutsche Schule. Jedoch eine Privatschule, die ihre eigenen
Regeln hat...! So z.B. ist Spanischunterricht mit zahlreichen Wochenstunden
vertreten und nicht nur reiner Sprachunterricht, sondern auch man könnte es als
Natur- und Landeskunde bezeichnen. Zwei Jahre Schonfrist wird neuen Schülern
gewährt, um die Landessprache zu erlernen, danach werden sie ohne
Rücksichtnahme benotet. In den weiterführenden Klassen werden auch die Fächer
Geographie und Geschichte in Spanisch unterrichtet. Das Kind darf max. 3
Spanischstunden (pro Woche) fehlen und diese mit einem/r Nachhilfelehrer/in
verbringen. Dies gilt jedoch nur für Grundschüler, Schüler der weiterführenden
Klassen, müssen ihr Wissen nach dem eigentlichen Schulunterricht aufbessern.
Vielfach sind wir angesprochen worden, warum wir die
Kinder denn unbedingt in deutsche Schulen / Kindergärten geben wollen. Ganz
einfach, wir sind schon sehr häufig umgezogen. Die Kinder wurden bisher mit
drei verschiedenen Fremdsprachen konfrontiert, nun ist es die vierte
Fremdsprache. Wir wollten die Verwirrung nicht noch grösser
werden lassen. Und ich denke wir fahren gut damit!
Sollte ich mal nicht mit dem Auto in die Stadt
fahren wollen, stehen mir drei versch. Buslinien zur Verfügung. Zwei
Metrostationen liegen ca. 20 Gehminuten entfernt. Autofahren in einer Metropole
wie Madrid ist sicher nicht jedermanns Sache, mir persönlich macht es jedoch grossen Spaß. Als Eingewöhnungszeit war der Sommer hierfür
sicherlich ideal, da viele Spanier Madrid im Sommer meiden, wegen der Hitze und
der Luftverschmutzung. So konnte man viele Wege erkunden ohne das normale
Verkehrschaos.
Man sollte sich auch selber (nicht nur die Kinder)
die spanische Sprache aneignen, denn schnell wird man feststellen, dass hier
sehr wenig englisch gesprochen, geschweige denn verstanden wird. Da ist der
Madrilene sehr eigen und auch wenig hilfsbereit (Das habe ich übrigens auch
Spanier sagen hören, die nicht gebürtig aus Madrid sind). Wenn man sich
irgendwo anstellen muss, sei es bei der Post, am Marktstand oder der
Bushaltestelle sollte man schnell herausfinden, wo das Ende der Schlange ist,
vordrängeln ist verpönt und wird lautstark geahndet (ganz im Gegensatz im Strassenverkehr....). So habe ich mal unwissendlich einen
Riesenauflauf mit heftiger lautstarker Diskussion an einem Marktstand
verursacht. Passiert mir aber auch nicht mehr!
Nun freuen wir uns auf den kommenden Sommer ... und
der kommt sicher…
hasta luego - „lille.venn“