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Versetzung von Kerpen (NRW) Rhein-Erft-Kreis, nach Laage, Mecklenburg Vorpommern, ehemalige DDR.
Als mir mein Freund von der Versetzung erzählte, war ich zunächst geschockt. Es stand eine Trennung bevor. Irgendwen und
Irgendwas lässt man immer zurück. Und was passiert in 700 km Entfernung? Neuenanfang?
Getrennt von Familie, Freunden und all dem was man sich aufgebaut hat.
Nun ja, da Mecklenburg eine schöne ländliche Gegend ist und die Ostsee direkt vor der Haustür liegt, klang es nicht
allzu schlimm. Aber ehemalige DDR? Ossi-Wessi. Wie werden wir aufgenommen? Viele Fragen stellt man sich. Und wo wohnen? Die Recherchen via Internet gingen sofort los. Immobilienseiten wie
www.Immobilienscout24.de, www.1a-immobilienmarkt.de wurden durchforstet. Etliche Telefonate wurden geführt.Termine für Besichtigungen mussten eng beieinander liegen. Das Ganze schien uns schier unmöglich.
1 Tag Besichtigungsreise laut Bundeswehr, ha ha.
1 Tag braucht man allein für die Fahrt! Und 2 Kinder mussten und wollten
mit! Wir haben uns dann kurzer Hand Urlaub genommen und ein Ferienhaus gemietet, das in der Nähe der Kaserne lag. Von dort aus wurde dann alles besichtigt, was
wir im Netz gefunden haben. Viele Häuser haben wir erst gar nicht betreten und aus manchen sind wir wieder rückwärts raus. Es war nicht das, was wir gewohnt waren. Und Ansprüche runter schrauben?
Letztendlich haben wir eins gefunden. 3 Kilometer von der Kaserne entfernt und der Besitzer ein Soldat, der wiederum nach Sardinien versetzt wurde. Ein Haus mit „Weststandard“. Nein es war noch mehr
als das, es entsprach unserer Vorstellung, war noch größer als wir gesucht haben und mit riesigem Garten. Und wie das Glück manchmal so spielt, war auf dem Hof noch ein Stall mit Pferdeboxen. Unser
Pferdchen zu Hause halten, wow. Ja das war es !
Und dann der Umzug, oh Gott umziehen?! Sortieren, aussortieren, packen und und und… Und wenn man bedenkt, was andere hierbei an Erfahrungen gemacht
haben. Mancher musste drauf zahlen. Irgendwelche Dinge gingen kaputt, die niemand ersetzen wollte. Schon war sie da, die nächste Angst. Also ging wieder die Suche los.
Welches Umzugsunternehmen ist Rahmenvertragspartner? Und welches ist zudem auch noch Vertrauenswürdig. Man hat zwar Anspruch auf Fullservice, aber man will ja nicht jeden an seine Sachen
lassen. Und hat die Firma auch das entsprechende Fahrzeug, nachher liegen unsere Möbel auf der Autobahn verteilt.
Es kam jemand von der favorisierten Spedition zu uns, der eine Bestandsaufnahme machte, von den Dingen was mit soll. Die Frage war schnell beantwortet, denn an Möbeln sollte alles mit. Und da das
Haus in das wir ziehen würden größer war, mussten auch noch ein paar Möbel her, zusätzlich. Außerdem gibt’s da oben kein Ikea, somit musste ja zumindest ein Vorrat an Ikea Schnick-Schnack daher
Der Mitarbeiter nahm es gelassen. Sogar meine sichtliche Nervosität wusste er zu beruhigen. Aber was war mit unserem Pferd, das gehört nun ja auch mit zu unserem Hab und Gut, muss also
mitversetzt werden. Der Bundeswehr war eine "Pferdeversetzung" neu. Uns egal, der geht mit, ist auch immerhin ein Familienmitglied. Aber 700 km. Wenn da was passiert. Das Pferd sollte nicht zu schaden
kommen... und Versicherungstechnisch? Die Spedition half indem sie rum telefonierten und mir dann mitteilten, dass sie das mit übernehmen.
Auch meine Ansprüche, dass unser Pferd nur mit einen Vollpoly Anhänger transportiert werden konnte, da Friesen hoch im Nacken stehen und ein PVC Dach ihm ständig an den Ohren herumflattern würde,
wurde berücksichtigt. Und eine Pause musste fürs Pferd gemacht werden, wo er Pippi machen kann und sich auch bewegen kann. Das alles stand uns noch bevor.
Dann war es soweit ein riesiger Sattelzug stand vor der Tür. Die Kinder gingen zur Nachbarin und ich verdünnisierte mich zu meiner Mutter. Ich hielt es für besser weniger davon mitzubekommen. Als ich
abends wieder heim kam, waren se weg. Der Keller war komplett leer. Und ein Zimmer im Obergeschoss wurde zum Teil bereits verstaut. Aber es kam weder Unordnung noch Dreck auf. So
blieb ich am nächsten Tag da und sah zu. Alles lief soweit gut. Am selben Abend fuhren sie los. Unser ganzes Leben war in diesem Sattelzug, ein komisches Gefühl. Mein Freund mit den Kindern, Hund und
Kater fuhr nach kurzem Aufenthalt bei Oma hinterher. Ich selber verweilte fast. Obdachlos in Kerpen. Ich fuhr mit meiner Mutter dann in den Reitstall zu unserem Pferd, wo wir dann auf die uns
bevorstehende Zukunft anstoßen. Man fragte mich, was denn nur aus mir und Samorai würde. Das Pferd jetzt zu Hause halten war doch Neuland! Und was macht meine Mutter? Fängt an zu heulen.
Durch das Organisieren für die Zukunft im Osten, verloren sich die Ängste. Was wird und was ist mit Job etc.? Aber da waren sie die Ängste. Ich habe geheult wie ein Schlosshund! Gut das Ralf und die
Kinder das nicht sahen. Am nächsten morgen fuhr mich meine Mutter zum Reitstall wo der Chef der Spedition persönlich
schon auf mich wartete. Samorai ging brav in den Hänger, als ob er wusste, dass da oben eine tolle große Weide auf ihn wartet. Nach einer kurzen Tränenphase ging’s dann auch los.
Zwecks Abwechslung beschloss ich den guten „Speditionschef“ ein wenig voll zu quatschen. Ich fühlte mich zwar geehrt, dass er persönlich mich samt Pferd fuhr, aber er war auch der einzigste, der jetzt
„herhalten“ konnte. Zu meinem Erstaunen war er genauso gelassen wie seine Mitarbeiter. Er erzählte mir dann wie sein Möbeltransportunternehmen entstand und ein Teil aus seinen Privatleben. Da ich
sehr Neugierig bin, fand ich das auch sehr interessant.
In Bremen haben wir dann die geplante Pause mit Pferd gemacht. Da ich den Reitstall-Besitzer schon
durch Telefonate kannte, haben wir noch einen Smalltalk gehalten, der sich dann auf eine Stunde ausdehnte. Inzwischen rief auch Ralf an, dass alles am morgen heile ankam und die Leute der
Spedition bereits den Hänger ausgeladen haben. Die restlichen 400 Kilometer, die noch vor mir, dem Chef und Samorai lagen, waren schnell geschafft. Angekommen habe ich eigentlich ein Chaos
erwartet, aber es lief alles wie am Schnürchen. Nun war ich 10 ½ Stunden unterwegs, seit 8 Uhr am Morgen. Der Chef machte sich ein kurzes Bild von der Lage, klopfte seinen Jungs auf die Schulter und
fuhr wieder (der arme Kerl).
Nach 5 Tagen (dazwischen lag ein Feiertag) war alles fertig. Wir waren wieder komplett eingerichtet
und alles war an seinen Platz. Und alles war heile! Super. Es stand nichts rum, keine leeren Kartons, nichts. Na ja und eingelebt haben wir uns auch. Alle Ängste waren nach 3 Monate wie weg geblasen.
Der Umzug hatte am 21.03.2005 begonnen.
Insgesamt wurden 4 Personen, 1 Dalmatiner, ein Kater, ein Pferd, sowie 130m² vollmöbilierte Wohnfläche mal eben versetzt. Es sind keine versteckten Kosten entstanden und weil Ralf alles brav
eingereicht und beantragt hat, gab’s noch ein paar Euro „Aufwandsentschädigung“.
Mittlerweile ist fast 1 Jahr rum. Nach hunderten von Bewerbungen habe ich jetzt eine Stelle in Aussicht.
Der Arbeitsmarkt hier oben ist nicht der Beste. Stellen im Rettungsdienst gibt’s kaum. Als Rettungsassistentin habe ich aber auch die Chance in einer Arztpraxis als Arzthelferin tätig zu werden.
Also drückt mir die Daumen.
Heimweh? Nöööööööööö
Falls Ralf aber wieder versetzt werden sollte, dann garantiert wieder mit der gleichen super
Möbelspedition (Name auf Anfrage!). Dann müssen die Jungs 186qm vollmöbilierte Wohnfläche einpacken, sowie einen weiteren Dalmatiner und 4 indische Laufenten! Und sie würden uns sogar ins
Ausland bringen, na das ist ein Wort.
Gruß Melanie und Ralf
Ihr könnt mir gern schreiben MelB74@web.de oder Samorai97@aol.com
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