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Bericht einer Soldatenfamilie über ihre Erlebnisse
in KENIA/Nairobi

Unbenanntes Dokument
Erfahrungsbericht Nikosia

 

Am 18.08. sind wir nach Nairobi gestartet und hatten einen angenehmen Flug von Köln/Bonn nach Amsterdam und anschließend nach Nairobi.

Dort wurden wir bereits erwartet und in das Serena-Hotel gebracht. Es war unsere Unterkunft für 2 Wochen.

Nach Ankunft hat Jens versucht die Formalitäten mit Hilfe der Botschaft zu erledigen, was auch sehr sinnvoll ist. Z.B. ohne einen Diplo-Pass der kenianischen Behörden läuft hier gar nichts.... kein Pass - kein Wohnsitz, ohne Wohnsitz - kein Container, ohne Container - kein zu Hause, ohne Einzug ins Haus- kein Adresse hier, ohne Adresse - keine Anmeldung des Autos etc. ....Aber es ist hier alles nicht so wichtig, denn wir fahren bis heute noch mit der Anmeldung auf den Vorgänger!

Also haben wir eine gesamte Woche damit zugebracht, die Formalitäten zu erledigen und die Stadt etwas kennen zu lernen. Da wir das Auto des Botschaftsarztes gekauft hatten, waren wir mobil und konnten den Kindern das Haus, die Schule und einige Dinge hier zeigen.

Sehr hilfreich war der Büroleiter und unsere Vorgänger. So hatten wir gleich in der ersten Woche die Gelegenheit einige Lehrkräfte der Schule und wichtige Mitarbeiter kennen zu lernen.

Am 25.08. hat für die Kinder dann die Schule begonnen, in der sie sich sehr schnell eingelebt und Freunde gefunden haben. Steffen hat jeden Tag 6 Stunden, am Dienstag 8 und am Mittwoch den Konfirmandenunterricht. Gerrit hat bis auf montags und freitags jeden Tag 8 Stunden. Als zusätzlichen Unterricht hat Steffen Schach ( mit einem kenianischen Lehrer und natürlich in englisch ) und Gerrit Fechten gewählt.

Schon in der ersten Woche hatten beide Kinder Einladungen bei Freunden und Gerrit ist fast jedes Wochenende unterwegs. Elternabende haben wir auch schon erfolgreich hinter uns gebracht und dabei erfahren, dass die Schüler/innen der Klasse 8 und 9 z.B. einen französischen Austausch mit Madagaskar haben. Steffen wird im nächsten Jahr teilnehmen.

Am Freitag, den 29.08. haben war dann endlich unsere beiden Container bekommen. Um 09.30 Uhr traf der erste Container hier im Stadtteil Runda in der Mimosa Road 40 ein. Auch hier wurden wir mit Rat und Tat vom Ehepaar Dirks (Büroleiter) unterstützt, die auch ihre Maid mitbrachten.

Es war schon spannend.... Alle Räume wurden von uns mit Buchstaben und Nummern versehen und Jens stand am Container und hat die Kartons und Gepäckstücke gekennzeichnet. Damit sie dann auch noch den richtigen Weg finden, hatte sich der Rest des Personals und wir im Haus verteilt. Es hatte schon Ähnlichkeit mit dem Ameisenvolk (11 Packer). Aber trotzdem waren immer wieder Kartons und Möbel in falschen Räumen, wie wissen nur die Kenianer. Bei der anstrengenden Arbeit am Container hat Jens sich doch tatsächlich den ersten Sonnenbrand eingefangen.

So haben wir dann ein Wochenende im totalen Chaos verbracht, da das Umzugsunternehmen alle Schrauben und Schlüssel einschl. Füße der Sofas und Sessel in einen Karton gepackt hatte. Der wichtigste Karton überhaupt! Nun den haben wir aber nicht gefunden. Somit waren die Schränke alle verschlossen und die Möbel konnten nicht montiert werden. Die Küche versank im Chaos, da meine beiden Maids alles auspackten und kein Platz mehr vorhanden war! Wieder und wieder durchsuchten wir die Zimmer und Garagen nach dem Karton und waren am Sonntagabend völlig hoffnungs- und lustlos. Dann setzten wir unser bestes „Trüffelschweinchen" (Steffen) ein. Mit ihm zusammen bin ich dann spinnengleich über alle Kartons gestiegen und kurz vor Einbruch der Dunkelheit (hier um 18.30-19.00 Uhr) waren wir erfolgreich. Den Jubelschrei konnte man bestimmt über die Grundstücksgrenzen hinaus hören.

Am 01.09.2003 war für Jens dann auch Dienstbeginn und ich habe hier Karton für Karton geöffnet und an den rechten Ort gebracht. Meine beiden Maids haben mich sehr gut unterstützt und jeden Tag das Haus geputzt, wo immer es ging.

Inzwischen lichtet sich hier das Feld, nur noch in der Garage herrscht das Chaos, da hier das Werkzeug etc noch ausgepackt werden muss. Aber das geht halt nur nach Dienstschluß oder am Wochenende.

Auch die „Verpflichtungen", die uns hier erwarten, haben keine Pause gemacht. So waren wir schon reichlich eingeladen und hatten gerade in der letzten Woche eine Attachéreise nach Mombasa, Malindi und Lamu. Dort war es sehr heiß und schwül, obwohl in Kenia Frühling angesagt ist. Ohne Klimaanlage ist an Schlafen dort nicht zu denken, und der indische Ozean hat Badewannentemperatur. Im Januar und Februar soll es dort nicht auszuhalten sein, haben uns hier lebende Europäer berichtet. Als wir am Freitag mit der Kenyan Airforce aus Lamu zurückkehrten, haben wir hier in Nairobi richtig gefröstelt. Man merkt den Höhenunterschied doch sehr.

Gestern, am Samstag, ist Jens dann wieder nach Mombasa durchgestartet und hat heute Vormittag die Deutschen Truppen dort mitverabschiedet. Man lebt mit dem Terminkalender.

 

Langfristig geplante Einladungen und Empfänge gibt es auch, aber oftmals ist es recht kurzfristig. So ist es mir kürzlich ergangen, als unser Telefon klingelte und ich eine halbe Stunde später schon zur Verabredung unterwegs war. Oder Jens brachte eine Einladung für den gleichen Abend (Herren im dunklen Anzug und Damen passend dazu gekleidet) mit. Nur gut, dass die Stuckarbeiten im Gesicht noch nicht so aufwendig sind, sonst könnte es schwierig werden.

Auch in der kommenden Woche wir es nicht viel ruhiger. Am Dienstag werde ich mal den großen Gemüse- und Obstmarkt in Nairobi testen. Dafür verabredet man sich mit mehreren Frauen oder nimmt eine Maid mit und kauft ein. Die Vielfalt ist unvorstellbar, so gemäß den Aussagen der hier Lebenden. Am Mittwochabend haben wir Gäste zum Essen, unsere Maids sollen dann das erste Mal servieren (hoffentlich klappt es) und am Donnerstag stellt sich das neue Botschafterehepaar in ihrer Residenz vor, abends dann noch Elternabend für die Konfirmanden. So vergeht die Woche dann wie im Fluge und über lange Weile kann ich nicht klagen. Da meine beiden Maids zwar schon bei Europäern gearbeitet haben aber noch nicht europäisch kochen, muß ich sie noch anlernen. Sie sind willig und ich denke, dass es nach einiger Zeit gut klappen wird.

Putzen und Bügeln klappt wunderbar. So fängt eine Maid morgens um 8.00 Uhr an und beginnt mit dem Abwasch und dem Reinigen der Küche. Die zweite Maid startet um 09.00 Uhr und gemeinsam wird dann das Haus geputzt und die anfallende Wäsche. Besondere Aufgaben wie z.B. Silberputzen sage ich ihnen dann bei unserem morgendlichen gemeinsamen Tee. So sind sie beide den ganzen Tag beschäftigt, denn in Kenia arbeitet man „pole,pole".

Inzwischen haben wir uns hier recht gut eingelebt. Die Kinder lieben das Haus und den großen Garten. Mit dem Personal kommen sie gut zurecht und sprechen mit ihnen englisch.

Es ist nicht immer einfach das afrikanische Englisch zu verstehen, aber es wird schon.

Die Vielfalt an Obst und Gemüse, Blumen und Bäumen ist einfach traumhaft. Ananas und Mangos kauft man beim Obsthändler und sagt wann man sie essen will. Absolut perfekt ist dann die Reife und der tolle Geschmack. Blumen, die wir in Deutschland als Topfpflanze kennen oder die unter dem Winter leiden (z.B. Geranien) haben hier so dicke Stämme und blühen das ganze Jahr. Rosen gibt es hier an jeder Straßenecke für nur wenige Schillinge, und Strelizen sind absolut erschwinglich. Ananasstauden und Avokadobäume hat man hier im Garten und erntet sie.

Seit April hat sich hier viel verändert. Die ortsüblichen Supermärkte haben ein den hier lebenden Ausländern angepasstes Sortiment. Besonders hier in unserer Nähe gibt es ein Einkaufszentrum „Village Market" in dem man alles findet. Da die UN nicht weit ist, haben wir auch die Möglichkeit etwas günstiger zu tanken. Wurst und Käse aus Europa bekommt man hier auch, etwas teurer allerdings als in Deutschland und in nicht so vielfältiger Auswahl. Aber Rindfleisch und andere Tierarten wie Zebra,. Strauss sind relativ günstig und schmackhaft. Auch die Fischsorten hier sind sehr gut und frisch.

Wir ihr meinen Zeilen entnehmen könnt, geht es uns ausgesprochen gut und wir werden keinen Hunger leiden müssen. Wir fühlen uns hier schon ganz zu Hause und es kommt uns vor, als ob es schon Monate sind, die wir in Kenia leben und nicht gerade 4 Wochen. Wir können nur bestätigen, es lebt sich hier sehr gut. Wir fühlen uns auch nicht unsicher mit unserem Elektrozaum und den Wachmännern. Alle Europäer und auch wohlhabende Kenianer und Inder leben wie wir abgesichert. Es ist völlig normal, das haben auch inzwischen die Kinder von anderen Kameraden erfahren.

Das Autofahren hier ist allerdings ein richtiges Abenteuer.

1.      Sie fahren auf der falschen Seite, also links.

2.      Es gibt Regeln, aber niemand hält sich daran.

3.      Die Vorfahrt ist immer mit dem Stärkeren, weiche auch vor keinem Matatu.

4.      Der natürliche Feind ist das Matatu.

5. Man fährt grundsätzlich da, wo kein Loch in der Straße ist.

Hier nun einige Erklärungen:

Regeln gibt's, auch Ampeln aber man fährt auch bei Rot drüber. Besonders nachts.

Ein Matatu ist ein Kleinbus (Ford Transit-Größe), in Deutschland mit 9 Plätzen ausgewiesen, hier in Kenia gibt es 22 Plätze und es passen auch noch mehr rein. Also ständig überladen und in katastrophalem technischen Zustand, aber die Fahrweise wie ein Henker.

Ein Loch in der kenianischen Straße hat keine bestimmte Größe, manchmal kann auch ein Kleinwagen darin versinken. Besser ist da schon ein Geländewagen. Deshalb haben wir einen Mitsubishi Pajero in Afrikaausstattung mit Blattfedern und Starrachsen.

Der zweite Pajero ist im Zulauf und wir hoffen auf die erste Oktoberwoche.

 

Den ersten Besuch aus Deutschland konnten wir hier auch schon begrüßen:

Unsere Kisuaheli-Lehrerin hat am 16. Aug. geheiratet und macht ihre Hochzeitsreise nach Kenia und Tansania. Wir hatten sie hier schon zu Gast und wir werden sie noch einmal kurz vor Ihrer Abreise sehen.

Ausserdem erreichte mich ein Telefonanruf von einer ehemaligen Klassenkameradin, die bei der Grenzpolizei arbeitet und eine dienstliche Reise nach Kinshasa hatte, mit 1 Übernachtung in Nairobi. Sie hat sich ins Taxi gesetzt und uns besucht. Es war ein sehr netter Nachmittag. Solche spontanen Besuche sind ein richtiges Highlight in den offiziellen Veranstaltungen.

Starten wir doch einfach mit einem sehr wichtigen Ereignis für Jens, dem 1. Oktober 2003. An diesem Datum hat er seinen Dienstposten übernommen und somit waren wir am 3. Okt an unserem Nationalfeiertag gleich in „Amt und Würden". Wie es so bei den Empfängen ist, steht man(n) als Mil Att gleich hinter dem Stellvertreter und Botschafter in der Recieving-Line. Jens in voller Uniform mit Fangschnur etc und ich im Kostümchen, wie es sich gehört.(Anmerkung für die Att-Damen mit denen ich die gelbe Schuhfarbe gekauft habe: Schuhe und Kostüm hatten tatsächlich die gleiche Farbe und passten absolut gut ins Bild. Jens hatte auch schon eine Idee fürs nächste Jahr, die „drei Damen" in schwarz , rot und gelb=gold zu kleiden)

Da ca. 800 Gäste geladen waren, hieß es Händeschütteln bis man taube Hände hat.

Nette Willkommensworte und Danksagungen für die Glückwünsche, verzweifelte Versuche die Namen mit der Funktion der Leute in Verbindung zu bringen usw. usw. Auch der Wettergott hatte es sehr gut gemeint, und uns mit viel Sonnenschein an diesem Tage verwöhnt. So holte sich Jens doch tatsächlich einen leichten Sonnenbrand und wir waren doch sehr froh am Abend die Schuhe ausziehen zu können. Aber es war eine sehr gelungene Veranstaltung und hat viel Spaß gemacht und in dem großen, wunderschönen Garten in der Botschafterresidenz stimmte auch das Ambiente. Mittlerweile werden wir immer noch von Leuten, die uns vorgestellt werden angesprochen, denn sie erinnern sich an uns wieder haben leider die Gesichter dann wieder vergessen. Ist es das Alter?! Oder waren es einfach zu viele Gesichter.

Am nächsten Tag hatten wir dann einen sehr krassen Gegensatz am Morgen und am Abend.

Die deutsche Kirche hat hier in Nairobi ein sehr rühriges Pfarrerehepaar, die fließend Kisuaheli sprechen und bieten Führungen und Fahrten in charitative Einrichtungen in den Slums der Stadt an. So besuchten wir am Morgen eine Beratungsstation für junge Mütter zur Fütterung und Ernährungsberatung ihrer Säuglinge. Ausserdem das Tumaini-Hospital (tumaini=Hoffnung), das ambulante zahnärztliche und ärztliche Behandlungen durchführt und auch Medikamente ausgibt. Wir besuchten anschließend eine kleine Siedlung in der Kinder wohnen, die zuvor auf der Straße lebten und hier eine neues Zuhause gefunden haben. Es war beeindruckend, denn sie stellten ihre eigene Lebensgeschichte in einem kleinen Theaterstück dar und gaben uns zu ehren ein kleines Konzert. Da unsere Kisuaheli-Lehrerin noch zu Besuch war, hat sie uns begleitet ebenso wie die beiden Kinder. Erst war das Gemotze groß bei beiden Jungens, aber am Schluß haben sie gar nichts mehr gesagt und waren ganz beeindruckt von dem Neuerfahrenen und den Sprachkenntnissen des Pfarrers. Steffen hat ja schließlich noch ein Jahr Konfirmandenunterricht bei den Pastoren.

Nach diesem informativen Vormittag waren wir dann am Abend zum Thanks-Giving-Ball der Kanadischen Botschaft eingeladen im Interconti. Welch ein Unterschied zum Vormittag. Es war eine sehr nette Veranstaltung mit Tombola, auf der die Nummern der Eintrittskarten auch die Losnummern darstellten. Und wie kann es anders sein und nicht erwartet: beide Losnummern haben gewonnen. Einmal Gebührengutschein für Internet (leider ein anderer Anbieter wie wananchi, den wir nutzen) und Gutschein für Mongolian-Barbecue (all you can eat). Das passte ja prima. Also sind wir mit unseren Kindern dort essen gewesen. Nur zu empfehlen, wer uns besuchen kommt.

Auch der Konfirmandenunterricht ist hier etwas anders. Sie haben nachmittags nach der Schule in Riverside (Gemeindehaus) den Unterricht. Dafür wird umschichtig von den Müttern der Konfirmanden gekocht und gefahren. Es ist hier schon etwas mehr Luxus für die Kinder. Der ersten Gottesdienst, in dem Steffen mitarbeiten musste, war das Erntedankfest am 5. Oktober (Jens-Geburtstag). Auch das ist hier anders, mit viel Unterstützung von allen Gemeindemitgliedern hier. So hatte sich an diesem Sonntag auch fast die gesamte deutsche Comunity versammelt, anschließend gibt es dann Kaffee- und Kuchen und Bratwürstchen vom Grill.

Die darauf folgende Dienstantrittsreise in Tanzania habe ich dann zusammen mit Jens unternommen. Der Botschafter hatte zu seinem Dienstantritt ein Essen bei sich zu Hause gegeben. Die Damen waren auch alle geladen und so konnten wir wieder neue Menschen kennen lernen. Jens hat sehr viele wichtige Leute während der 4 Tage in Dar es Salaam getroffen, ich durfte an einigen Dingen teilhaben. So hat er den Workshop der deutschen Beratergruppe in Lugalo und das Hospital dort besucht. Der Workshop hat mit sehr gut gefallen, ich fühlte mich an meine Dienstzeit beim Instandsetzungsbataillon in Rotenburg erinnert. Und so ein blitzsauberes und gutes Hospital mitten in Afrika war einfach umwerfend. Eine tolle Arbeit, die dort geleistet wird. Einen Tag durfte ich dann Sightseeing machen. Zusammen mit der Frau den Leiter der Beratergruppe wurden uns die Stadt, der Fischmarkt, das indische Viertel etc. gezeigt. Hier zeigt sich ganz deutlich der Unterschied zu Kenia. In Dar braucht man Kisuaheli, denn es sprechen nicht alle Menschen englisch. Die Preisverhandlungen waren immer in Landessprache. Aber da wir einen sehr netten und kundigen StFw mit dabei hatten, konnten wir sogar Kleinigkeiten wie Cashew-nüsse und Macadamia-oel kaufen. Auch konnten wir eine frische (grüne) Kokosnuss austrinken. Es schmeckt herrlich und erfrischt sehr. Aber leider sind sie nur an der Küste zu kaufen.

Unser erstes etwas unangenehmes Erlebnis hatten war dann leider auch schon.

Sicherheitslage ist eine Sache, Autofahren die nächste Schwachstelle hier.

Nun, wir hatten unseren gebraucht gekauften Pajero wegen des erheblichen Spiels in der Lenkung zur Reparatur. Auf Safari sollten wir damit nicht mehr fahren, wurde uns geraten. Wir hatten das Fahrzeug gerade wieder 2 Tage im Gebrauch und fuhren am Abend (bei Dunkelheit) vom Elternabend der Konfirmanden kommend nach Hause. Plötzlich, unweit der dt. Schule, bemerkte Jens ein klapperndes Geräusch. Es gab einen Knall und der Wagen stand, an einer sehr dunklen und gefährlichen Ecke. Da wir mehrere Termine an diesem Abend hatten, hatten wir in der Hast beide Handys vergessen und auch das Funkgerät der Botschaft stand zu Hause zu laden. So ein Pech. Jens sah nach dem Schaden, einem geplatzten Reifen, und da kamen auch schon reichlich „hilfreiche" Menschen. Es war unser Glück, unter ihnen ein Pfarrer, der sich rührend um uns kümmerte. Er sortierte sofort die Hilfswilligen nach guten und schlechten „Schafen" seiner Gemeinde aus und die Arbeit begann. Er lieh mir dann auch sein Handy, mit dem ich unsere Kinder zu Hause informierte und bat jemanden von der Botschaft zu erreichen. Ich durfte den Wagen nicht verlassen, darauf bestand der Pfarrer. Mehrere Autos mit roter Nummer /UN oder auch CD/ stoppten und boten Hilfe an. (Man hilft sich also). Schließlich war der Reifen gewechselt und unsere Helfer entlohnt und der Pfarrer uns wir wollten unseren Weg fortsetzen. Leider ging es nicht. Der Verbindungsbolzen, der die beiden Lenkarme verbindet, war nicht durch einen Splint gesichert worden. So war er herausgefallen und das rechte vordere Rad manövrierunfähig. Einfach klasse, und das in der Dunkelheit an dieser Ecke. Aber unser Pfarrer blieb, und 2 Herren von der Botschaft erreichten uns unmittelbar danach. Sie riefen den Besitzer der Werkstatt (Hauswerkstatt der Botschaft) an, der sich sofort auf den Weg machte. Unsere Sicherheitsfirma wurde auch benachrichtigt und sie standen 3 Minuten später mit 4 Guards und bewachten unser Auto und uns. Aber unser Pfarrer war nicht tatenlos. Er fuhr zur nächsten Polizeistation und holte 2 bewaffnete Polizisten, die uns Schutz boten. Endlich konnten wir nach Hause!

Diese Erfahrung hat uns gelehrt:

-          Nie ohne Handy und Guthaben das Haus verlassen

-          Wenn möglich das Funkgerät der Botschaft mitnehmen

-          Bei Unfällen immer sofort den Sicherheitsdienst anrufen.

Auch den Kindern (besonders Gerrit, der viel unterwegs ist) haben wir diese Regeln eingeschärft.

Inzwischen haben wir einen guten Kontakt zu „unserem „ Pfarrer und seiner Frau. Sie sind sehr nett.

Vor einigen Wochen waren wir mit den Kindern in den Herbstferien an der südlichen Küste von Mombasa (Diani-Beach). Es gibt dort ein Hotel, dass früher mal ein Robinson-Club war, jetzt wieder unter einem dt. Manager geführt wird und erschwinglich geworden ist. Es ist ein All-inclusive-Hotel und sehr zu empfehlen. Das Essen und die Getränke sind super. Die Kinder haben sich kugelrund (besonders Steffen) gegessen. Ausserdem waren viele deutsche Familien aus Nairobi dort und somit die Kinder in guter Gesellschaft. Das Hotel ist in Haupthaus und kleine Bungalows (Rundhütten mit Makutidächern) aufgeteilt. Wir wohnten im Bungalow mitten in der Waldlandschaft in diesem Kollobusaffenreservat. So hatten wir fast täglich „Affenbesuch". Kollobus sind scheu und träge, die Paviane, dort ganz majestätisch und wissen genau, dass wir in ihrem Areal sind. Ganz langsam überqueren sie die Wege und Straßen, ob ein Auto kommt oder nicht. Zutraulicher sind die braungrünlichen Meerkatzen. Sie haben keine Angst vor Menschen und können super schleichen. Einen Morgen, als Jens sich mit Sonnencreme balsamierte, fühlte er sich beobachtet. Er drehte sich zum Fenster um und siehe da, es stand ein Affe mit beiden Händen ans Fenster gelehnt und schaute ihm zu. Einen anderen Tag lagen wir auf der Liegewiese und haben gelesen, die Sonnencreme und -brillen immer dabei. Plötzlich sagte Gerrit: "Mama, du hast Besuch". Als ich mich umdrehte, sah ich gerade noch eine Hand aus meiner Tasche verschwinden. Sie gehörte einem Affen, der den gelben Verschluß der Sonnencreme aus der Tasche hatte leuchten sehen. Sie gefiel ihm wohl, aber ich konnte ihn überzeugen, dass er mit seinem Fell keine Creme braucht. Die Affen lieben Brillen und Spiegel. Wir fanden ein Brillenetui im Baum hängend. Ebenso passen sie auf, was die Menschen vom Buffet an ihrem Platz tragen. Da kann es schon passieren, wie einem Gast, dass er mit Zeitung, Sonnencreme und Tüte Nüssen durch den Park geht und plötzlich die Nusstüte aus der Hand verschwunden ist. Anschließend saß der Affe in Sichtweite und verspeiste genüßlich jede einzelne Nuß. Wenn das kein feines Affenleben ist!

Aber sie haben auch Respekt vor den Wärtern, das diese alle mit einer Zwille bewaffnet sind und mit Steinchen schießen. Sie sind ganz zutraulich, aber wenn eine gelbes Hemd und eine blaue Hose um die Ecke kommt, verstecken sie sich. Ist die gelbe Gefahr vorbei, sind sie wieder da. Einmal konnten wir nach einem Regenguß beobachten, wie ein Affe auf dem Makutidach versuchte zu flüchten. Das war gar nicht so einfach, denn die Dächer waren noch nass und so rutschte der arme Affe immer wieder herunter....natürlich schreiender Weise....!!!

 

Wir sind nun auch im Besitz eines zweiten Pajero, den Jens als Japanexport gekauft hat. Dieser Wagen ist in einem guten Zustand und mit einer besseren Ausstattung, als eigentlich angekündigt war. Ausserdem gehen in Japan alle Exportfahrzeuge durch einen Untersuchungsdienst, ähnlich wie in Dt. der TÜV. So ist der Wagen auch in gutem technischem Zustand. Er war gerade in Mombasa angekommen, als wir unsere Ferienreise angetreten haben. So beschloß Jens, das Auto selbst nach Nairobi zu überführen, wir waren ja mit zwei Fahrern. Ich fahre wirklich gerne Auto, aber hier kann es einem schon mal keinen Spass machen.

Die Strecke nach Mombasa ist 500 km, davon sind 250 km eine sehr gute „Chinese-Road" die mal von den Chinesen gebaut wurde und die auch noch in gutem Zustand ist, sieht man mal von den verunfallten Lkws und den zerfetzten Reifen ab. Der Rest ist absolut nicht zu empfehlen. Es gibt eine Strecke, die zur Zeit im Bau ist, von der StraBAG beaufsichtigt. Dort fährt man ca. 50 km Sandpiste, weite 100 km sind der absolute Härtefall. Es gibt auf dieser Strecke so viele und große Löcher, wie ich sie zuvor noch nie gesehen hatte. Ein Bekannter sagte: Wenn kleine spitze Ohren aus dem Loch herausschauen, weißt du nicht ist es ein Hase oder ist es ein Esel.

Dieser Vergleich mit der Größe der Löcher ist absolut realistisch. Wir haben uns für die Fahrt mit den 2 Autos dann das Funkgerät der Botschaft mitgenommen, die Kinder auf beide Autos verteilt und uns so gegenseitig über besonders große und tiefe Löcher und Überholmöglichkeiten informiert.

Es hat alles zufriedenstellend geklappt und ich vertraue jetzt auch wieder dem alten Auto und habe es durch diese Slalompiste sehr gut kennengelernt.

 

Unser Bekanntenkreis erweitert sich immer mehr und dadurch auch gute Tipps und Anregungen. So z.B. kauft man hier das Gemüse in einem großen Sisalkorb jeden Samstagvormittag auf Vorbestellung an der deutschen Schule. Es ist immer wie eine Wundertüte. Der Gemüsebauer ist eigentlich einziger Lieferant von Himbeeren in ganz Kenia, aber nebenbei hat er auch noch Gemüse. So stellt er den Korb zusammen mit dem was er hat, Himbeeren sind immer dabei, Erdbeeren manchmal, Salat taufrisch immer und reichlich. So ist noch der Morgentau auf den Salatköpfen, wenn wir den Korb holen, den ich nicht allein tragen kann. Der ganze Spaß kostet 300 KSh = 3,80 €, Himbeeren allein im Geschäft kosten 100 KSh, nur zum Vergleich.

Was wir nicht essen möchten, gebe ich dem Personal, dass sich immer freut.

Ausserdem gibt es jeden 2. Samstag einen Käselieferanten an der dt. Schule, der der Hersteller des Käses in den Supermärkten ist. Aber an der Schule verkauft er seine Ware viel billiger. Und der Käse schmeckt auch wie Käse..... Gouda, Chester, Danbo.... wirklich lecker. Da kaufe ich dann einen ganzen Laib von jeder Sorte und nach dem Anschnitt friere ich ihn in Stücken ein. Geht super.

 

Inzwischen gibt es hier auch einen kleinen Bäcker, der französisches Weissbrot und Baguette backt. Ebenso Brötchen und Croissants.

Eine Einkaufsquelle für mein Mehl zum backen habe ich auch gefunden, denn Vollkornmehl bekommt man ganz schlecht hier. Aber es gibt eine Art Reformhaus, da bekommt man sogar Kartoffelmehl und Hirse und Sesam. Also auch der Nachschub ist gerettet.

Die Natur blüht und grünt, es ist kaum zu glauben. Jeden Abend, wenn Jens von der Botschaft heimkommt und wir nicht in Eile wegen einer Einladung sind, geht er durch den Garten und bewundert die Blumen. Die Strelitzen stehen jetzt in voller Blüte, die Rosen und Geranien sind hier Ewigblüher, selbst unsere selbstgezogene Ananas treibt die Blätter enorm. Wir haben schon unsere eigenen Bananen gegessen, einfach super! Büsche, die wir in Europa als Sommerblüher haben z.B. unsere Heckenrosen, wollte ich hier nach der Blüte schneiden und etwas mehr kultivieren. Es ist einfach nicht möglich, ohne Blüten abzuschneiden. Knapp dass eine Blüte verwelkt und man sie abgeschnitten hat, schon sind die nächsten Knospen da. Aber bei dem derzeitigen Wetter (Regenzeit) kein Wunder. Nachts und früh morgens schüttet es wie aus Eimern und wir denken die Welt geht unter. Die Straßen stehen unter Wasser und manchen morgen überlege ich, ob ich vielleicht die Schuhe im Auto besser ausziehen soll, und mit Schwimmbewegungen beginne. Aber gegen Mittag haben wir dann schon wieder Sonnenschein und 25 °C. Da explodiert die Natur förmlich!

 

Mein Betätigungsfeld hat sich auch wieder erweitert, denn ich konnte mit einer Gymnastikgruppe Rückenschule beginnen. Jeden Donnerstagvormittag von 08.30 bis 09.30 Uhr an der dt. Schule. Sogar Lehrer nehmen teil und hatten Spaß!

Wollen hoffen, dass es so bleibt.

 

 

Der Bericht umfasst über 60 Seiten und kann bei Bedarf bei mir - Webmaster Mail - angefordert werden.

 

Ich bedanke mich bei der Familie für diesen spannenden und sehr lebendigen Lagebericht.

Barbara Treder

 

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