Unser Abenteuer Frankreich begann schon etwa 18 Monate vor
der eigentlichen Versetzung.
Begonnen hatten wir, die Gegend im Urlaub zu erkunden. Wir
schauten uns auch schon erste Häuser an, um überhaupt zu erahnen, wie der hiesige
Baustil ist (von der Aufteilung und Größe der Räumlichkeiten bis zur
Ausstattung).
Auch der Vorgänger meines Mannes hatte uns laufend mit Infos
versorgt, die unseren eventuellen baldigen Wohnort / Arbeitsplatz betrafen.
So, sind wir mit den Bildern und den ganzen Infos erst Mal
wieder nach Hause gefahren und haben uns alle Vor- und Nachteile genau
überlegt.
Wir mussten aber alle Punkte mehrmals neu definieren, bis
wir letztendlich uns für den Schritt: Auslandsstandort entschieden haben.
Besonders die Ängste: Arbeitsplatz der Frau und die
Verlustängste unseres Sohnes wegen seiner Freunde ließ uns lange zweifeln.
Aber dann ging es los:
Begonnen hat alles mit dem 6-monatigen Sprachkurs meines
Mannes (Januar – Juli 2005).
Zeitgleich suchten wir, Internet sei Dank, diverse Makler
und Zeitungen aus der Region um stets ein Bild über die momentane
Wohnungssituation zu haben.
Im September die Wohnungsbesichtigungsreise, bei der wir 12
Häuser zur Auswahl hatten.
Die meisten auf dem freien Wohnungsmarkt mitten unter
Franzosen, aber natürlich auch Häuser im deutsch/französischen Wohnviertel.
Wir haben uns für ein Haus mitten unter Franzosen
entschieden und es bis heute nie bereut.
Unsere Vermieter haben im Vorfeld schon alles für uns
geregelt z.B. Telefonanmeldung: kann sonst bis zu 2 Monaten dauern (mehr oder
weniger).
Ein Kindergarten ( école maternelle ) war schnell gefunden, da er von der Stadt zugewiesen wird. Trotz mancher
Horrorgeschichten im Vorfeld, empfanden wir das Gespräch sehr angenehm. Uns wurde
sogar ein Platz reserviert, da wir ja erst im November kommen, was nicht die
Regel ist.
Das System Kindergarten/Schule ist ein ganz anderes als in
Deutschland.
In der École maternelle
wird hauptsächlich „gearbeitet“ und nicht gespielt.
Viele regelmäßige Aktivitäten, wie man es aus deutschen KIKA´s kennt, gibt es einfach nicht (kochen, backen,
Wandertage usw.).
Hier herrscht schon Zucht und Ordnung, sowohl für Eltern als
auch für die Kinder.
Ende Oktober ging es dann auch, nach diversen
Abschiedsfesten, endlich los.
Wir kamen aus dem verregneten Deutschland bei etwa 10
°C ins sonnige Frankreich bei fast 20 °C
an. Herrlich schön!!!!!
Unsere Nachbarn begrüßten uns herzlich, ließen uns aber auch
schnell wieder mit unseren Kisten in Ruhe.
Eins war direkt geklärt: Brauchen Sie Hilfe, rufen Sie und
wir kommen direkt.
Keine Frage blieb unbeantwortet!!
In unserem Fall ist es auch ein deutsches und nicht ein
französisches direkt!!!
Unser Sohn fand es schon direkt so langweilig, dass er
endlich in die école maternelle
wollte.
Nach 2 Tagen Gejammer ging sein Wunsch endlich in Erfüllung-
er durfte in die École.
Die erste Woche fand er dann auch noch ganz spannend, aber
nach dem Wochenende wollte er überall hin, nur nicht mehr zur École. Am allerliebsten ja wieder nach Deutschland !!!
„Weißt du, die können alle kein Deutsch hier.“
Wir blieben hart und nach einer Woche war alles Geschrei und
Gejammer ausgestanden.
Er liebt seine École , und kann es manchmal gar nicht erwarten bis es endlich
wieder Montag ist und er wieder „arbeiten“ darf.
Jetzt nach fast einem halben Jahr spricht er schon ganz gut
französisch, hat viele französische Freunde und natürlich schon eine Freundin.
Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit für uns alle, wurden wir
nach und nach in die Nachbarschaft so richtig aufgenommen.
Von diversen Aperitifs, über ein ganzes Menu oder gemeinsame
Ausflüge haben wir schon alles erlebt.
Unsere Nachbarn haben nun auch schon die deutsche Küche
kennen gelernt. Sie lieben vor allen Dingen die Kuchen und Torten aus deutscher
Hand.
Egal, wo wir auch hinkommen, haben wir bis jetzt auch nur
positive Erfahrungen gemacht.
Sei es in Geschäften, in denen man was sucht und nicht
findet und dann die halbe Belegschaft da steht (Kunden inklusive) und das
Enträtseln der Erklärung versucht zu erkennen oder einfach auf der Straße wenn
man jemandem zulächelt und Bonjour sagt.
Es schwappt einem immer eine Welle von Freundlichkeit
entgegen. Die Leute hier sind dankbar und wirklich bemüht, wenn sich man sich
auch Mühe gibt, die Sprache anzuwenden und sich integrieren will.
Für uns ist es bis jetzt die schönste Versetzung gewesen,
wir haben noch keine Sekunde diese Entscheidung bereut und spielen schon mit
dem Gedanken eine Verlängerung anzustreben.